Deutschland bildet hinsichtlich der Integration von Frauen in die Wissenschaft das Schlusslicht im europäischen Vergleich (
Statistikportal CEWS). Gleichzeitig gibt es in Deutschland die meisten Professorinnen ohne Kinder (
Research and Training Network „Women in European Universities").
Neben einer Vielzahl an Gründen für die Unterrepräsentanz von Frauen insbesondere auf höheren Karrierestufen in der Wissenschaft wird immer wieder eine als strukturell postulierte Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Mutterschaft mit den damit verbundenen negativen Verfügbarkeitserwartungen besonders herausgestellt. Trotz des hohen Leistungsniveaus von Wissenschaftlerinnen mit Kindern und der gänzlich anderen Situation von Wissenschaftlerinnen im Ausland, hält sich diese Überzeugung in Deutschland hartnäckig. Tatsächlich scheinen die realen Bedingungen einer Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie in Deutschland defizitär, was sich vor allem in einer niedrigen Kinderzahl niederschlägt.
Die aktuelle Situation stellt eine Begrenzung der Lebensoptionen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dar, Elternschaft mit wissenschaftlicher Arbeit zu vereinbaren. Gleichzeitig bedeutet dies auch einen Standortnachteil bei der internationalen Konkurrenz um die besten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.
Die geringe Flexibilität des deutschen Wissenschaftssystems hinsichtlich der Vereinbarkeit von Wissenschaft als Beruf mit Familienverantwortung und die im europäischen Vergleich besonders niedrige Anzahl von Professorinnen mit Kindern sowie von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern mit Kindern (
Junge Elternschaft und Wissenschaftskarriere) sind Ausgangspunkte für das Forschungsvorhaben.
Das Projekt „Balancierung von Wissenschaft und Elternschaft“ (BAWIE) ist am Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung CEWS angesiedelt.
Der Anteil kinderloser Wissenschaftlerinnen ist an deutschen Universitäten außerordentlich hoch. Zudem lässt sich eine Zunahme kinderloser männlicher Nachwuchswissenschaftler feststellen. Allerdings ist der Kenntnisstand zur aktuellen Kinderzahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie zu den Bedingungsfaktoren generativer Entscheidungen im Rahmen von Wissenschaftsorganisationen insgesamt noch lückenhaft.
Eine als strukturell angenommene Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Mutterschaft wird vielfach dafür verantwortlich gemacht, dass Wissenschaftlerinnen noch immer nicht die gleichen Aufstiegschancen haben wie Wissenschaftler. Für diese vereinfachende Ursachenzuschreibung gibt es jedoch keine überzeugenden Belege. Studien verweisen vielmehr auf die hohe Motivation und Leistungsfähigkeit von Wissenschaftlerinnen mit Kindern.
Unabhängig davon sehen sich jedoch Wissenschaftlerinnen mit Kindern in Deutschland mit besonderen Problemen der Vereinbarkeit beider Lebensbereiche konfrontiert. Auch für männliche Wissenschaftler, die von traditionellen Vorgaben abweichen in ihrer Rolle als Vater oder als Teil eines Dual Career Couples, bieten sich in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern wenige Gestaltungsoptionen und möglicherweise auch Nachteile im Karriereverlauf.
Das Projekt „Balancierung von Wissenschaft und Elternschaft“ (BAWIE) zielt auf eine Erfassung der zugrundeliegenden individuellen Entscheidungsprozesse und organisationalen Strukturen an deutschen Universitäten, die eine Verbindung von wissenschaftlicher Arbeit und Familienverantwortung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begünstigen oder behindern.
BAWIE wird am Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung CEWS durchgeführt und von Kathrin Samjeske bearbeitet, die Projektleitung obliegt Dr. Inken Lind. Frühere Projektmitarbeiter/innen sind Tanja Banavas und Guido Oemmelen.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.